Ist mein Unternehmen krank?

Woran erkennt man eine:n Kranke:n? Fahle Haut, glanzlose Augen. Die/der Kranke ist nur mit sich beschäftigt. Lautes Wehklagen oder Stille. Die Kraft schwindet. Alles scheint von innen gegeneinander zu kämpfen oder hat resigniert. Wahrnehmen der Symptome, der Schmerzen, aber häufig unklare Ursache. Es wird wenig kommuniziert und falls doch, über die Schmerzen gesprochen. Der gesamte Körper ist anfällig und kraftlos.

Ein:e Kranke:r ist wenig attraktiv für andere. Menschen nehmen intuitiv Abstand, um sich nicht anzustecken, das Wehklagen und den traurigen Anblick nicht ertragen zu müssen.

In einem kranken Unternehmen sind die Anzeichen ähnlich. Symptome anfälliger Firmen sind: Mitarbeitende übernehmen zu wenig Verantwortung. Leistungsträger gehen und neue kommen nicht nach. Das hybride Arbeiten funktioniert nicht. Dienst nach Vorschrift und stockende Innovationen. Unterbrochene Lieferketten. Abteilungen arbeiten gegen- statt miteinander. Haufenweise Blind- und Fehlleistungen. Die Krankenquote geht durch die Decke. Es wird vielleicht übereinander, aber nicht genug miteinander gesprochen. Konflikte mehren sich. Der Umsatz stagniert. Die Gewinne schwinden.

In der Wirtschaft, wie bei der Krankheit, stirbt es sich selten schnell. Meistens gibt es eine längere Zeit des Siechens. Vielleicht ist alles nicht so schlimm? Es läuft nicht mehr wie früher, aber es läuft ja noch. Vielleicht passiert ein Wunder? Die Kunden kommen zurück, die Konkurrenz macht Fehler, neue Absatzmärkte entstehen, die Politik schafft bessere Rahmenbedingungen… Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Ein Mann betete jeden Tag, dass er im Lotto gewinnen mögen. Er betete voller Inbrunst, mehrmals am Tag, viele Monate lang. Irgendwann konnte der/die Gött:in es nicht mehr mitansehen und sprach zu seinem/ihrem Engel: „Bitte sag ihm, er möge sich doch endlich ein Los kaufen!“ Tatsächlich passieren Wunder in der Regel nur, wenn man sie sich selbst verdient.

Manchmal hilft schon eine Tablette gegen die Schmerzen. In Unternehmen hilft manchmal ein Meeting, eine Ansage oder eine kleine Veränderung und das Problem ist behoben. Liegt das Problem aber tiefer, hilft die Tablette nicht oder nicht nachhaltig. Ist vielleicht nicht der Kopf das Problem, sondern der Backenzahn? Oder der verspannte Nacken? Oder wirkt das Medikament nicht mehr und bei höherer Dosierung vielleicht sogar toxisch?

In der Medizin holt man sich Rat bei Fachleuten, den Ärzt:innen, die idealer Weise das richtige Medikament oder die richtige Therapie haben. Ein gute:r Ärzt:in macht eine gute Anamnese, um den oder die Auslöser für den Schmerz zu finden. Denn ein:e Kranke:r kann sich nur bedingt selbst behandeln. Oft kann man das Offensichtliche nämlich nicht sehen: Wer in der Flasche sitzt, kann das Etikett nicht lesen.

Es ist nicht so leicht, den/die richtige:n Ärzt:in zu finden. Braucht es eine:n Allgemeinmediziner:in, Chirurg:in, Orthopäd:in oder Zahnärzt:in? Natürlich muss der Patient sich mit seiner Krankheit beschäftigen, denn von alleine geht sie meistens nicht weg. Und der/die Patient:in kann die Verantwortung für seine/ihre Genesung nicht vollständig abgeben. Oft sind es ja geliebte Gewohnheiten, die losgelassen werden müssen, wie die Milch, die Zigarette oder die mangelnde Bewegung. Manchmal macht der Tagesablauf krank. Mitunter kommen die schädlichen Einflüsse von außen. Der/die Patient:in muss mitarbeiten, das Problem und die schädlichen Einflüsse reflektieren und braucht dafür in der Regel professionelle Unterstützung. Die Erkenntnis muss in dem/der Patient:in dann selbst reifen, um ein nachhaltig gesundes Leben auch in der Zukunft führen zu können.

Es gilt: Neid muss man sich verdienen, nur Mitleid bekommt man geschenkt.

Ob Dein Unternehmen also anfällig oder sogar schon krank ist, erkennst Du an den Symptomen. Gesund und zukunftsfähig wird es, wenn Du Dich intensiv mit der Lösung beschäftigst und Dich die richtigen Fragen dazu bringen, die Lösung selbst zu finden.

Um die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen zu erhalten, ist rechtzeitiges Kümmern mit Weitblick um Kommunikation, Innovation und Arbeitgeberattraktivität viel besser als verhärtete Probleme heilen zu müssen. Auch dafür brauchen Unternehmen immer mal wieder professionelle externe Unterstützung mit dem Blick von außen.

Bewertungsprofil für diesen Blogartikel
4.7
(11)

Wie hilfreich war dieser Beitrag?

Klicke auf die Sterne um zu bewerten!

Durchschnittliche Bewertung 4.7 / 5. Anzahl Bewertungen: 11

Bisher keine Bewertungen! Sei der Erste, der diesen Beitrag bewertet.

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.