Könnerinnen in die Führung, bitte!

Könnerinnen in die Führung, bitte!

Spreche ich mit CEOs, dann sind sie häufig auf der Suche nach qualifizierten Frauen für die Aufsichtsratsposten oder für die Geschäftsführung. Es geht nicht nur darum, politische Vorgaben zu erfüllen. Es ist schlicht notwendig, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen. Diversität ist einer der Schlüsselfaktoren in der „VUKA-Welt“, also in zunehmender Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität. Unternehmen in einem komplexen Umfeld, in dem schnelle Anpassungen und Innovationen notwendig sind, werden kaum überleben, wenn sie in der Führung rein weiß-männlich besetzt sind. Diese Erkenntnis dürfte langsam in allen Ebenen von Unternehmen mit Zukunftspotenzial angekommen sein.

Warum werden trotzdem (zu) wenige Frauen Führungskräfte – erst recht nicht in den Top-Positionen?

Drei wichtige Gründe:

  1. Frauen bleiben meist länger bei den Kindern zuhause, als Männer. Aber nur wer den Sprung in die erste Führungsebene frühzeitig macht, schafft viele Karrieresprünge. Und die Treppe lässt sich in der Regel eben nur Stufe für Stufe erklimmen. Fehlen also ein paar Jahre, können meist auch ein einige Hierarchiestufen nicht erklommen werden. Auch wenn sich in den letzten Jahren hier wirklich schon viel getan hat, ist die Arbeitswelt noch immer nicht richtig erziehungszeitkompatibel.
  1. „Ich mag, was mir gleich ist.“ Eine männliche Führungskraft wird eher einen Mann als Nachfolger bestimmen. Frauen haben eine andere Kommunikation, häufig nicht so dominant, oftmals nicht so selbstbewusst, dafür beziehungsorientierter, empathischer und vielschichtiger. Wer mir ähnlich ist, den verstehe ich besser. Der Chef selbst hat seinen Weg gemacht und er will Leute haben, die ähnlich gut sind, wie er. Also wird, wer ihm ähnlich ist – hier männlich – es vielleicht auch gleich gut machen. Diese Hürde wird sich mit jeder Frau in Führungsposition abbauen, aber eben Stein für Stein bzw. Job für Job.
  1. Ja, Ladies, da sind wir gefragt – und hier ist der größte Packzipfel für eine erfolgreiche Zukunft. Männer trauen sich oft per se mehr zu. Ein Beispiel aus Bewerbungsgesprächen: Frage ich einen männlichen Trainer/Berater, ob er sich vorstellen kann, ein Training auf Französisch zu leiten, höre ich von Männern Sätze, wie: „Klar, ich hatte Französisch in der Schule und war auch schon mal in Paris. Das klappt schon. Near native, würde ich sagen.“ Von Frauen hingegen höre ich eher: „Französisch? Ich war ein Jahr Au Pair in Toulouse, habe noch regelmäßig feste Kontakte dahin und im Urlaub reise ich regelmäßig nach Frankreich. Aber Französisch im Coaching? Nur mit sehr viel Vorbereitung.“ Wem sollte ich in diesem Fall den Job eher geben? Der, die es augenscheinlich kann, aber sich nicht traut? Die, die ich lange bitten und ermutigen muss? Wenn ich sie dränge, übernimmt sie dann die Verantwortung für das Ergebnis? Oder gebe ich den Job dem, der mich überzeugt, dass er schon einen Weg finden wird?

Das zieht sich leider durch. Wenn wir erst kontinuierlich ermutigt werden müssen, uns für eine Führungsposition zu bewerben, anstatt aktiv danach zu greifen, wird´s eng. Dafür müssen wir natürlich wissen, was wir wollen – und was auf keinen Fall. Es lohnt sich, Zeit in die eigene Entwicklung zu investieren. Ein Female Business Coaching kann helfen, klare Positionen zu beziehen. Ein Mentor:innen-Programm oder auch ein Frauen-in-Führung-Seminar. Aber all das wirkt nur, wenn der drängende Wunsch überhaupt da ist: selbst klare Entscheidungen treffen und die Verantwortung dafür übernehmen. Dabei Konflikte und Widerstände aushalten, denn allen kann man es sowieso nicht recht machen. Wer das nicht will oder mag, wird in der Führung nicht glücklich.

Warum eigentlich muss es mehr Frauen in Führungspositionen geben? Die Männer haben die Führungsjobs bisher doch auch ganz gut gemacht. Und wenn so viele qualifizierte Frauen eigentlich gar nicht wollen…?

Doch, viele wollen eben doch. Und noch mehr können es, wenn sie sich denn erst mal dafür entschieden haben. Und wir brauchen mehr weibliche Kommunikation. Die Zeit ist reif dafür. Frauen sind häufig kommunikativer, empathischer, können besser zuhören und Ideen anderer eher zulassen und integrieren als Männer. Es gibt natürlich auch Männer, die das hervorragend und Frauen, die all das gar nicht beherrschen. Aber nicht umsonst ergreifen Frauen soziale Berufe häufiger. Sehr viele können Themen wie Mitbestimmung und damit das Triggern von Selbstverantwortung einfach gut.

Mit der Basta!- und „der Chef weiß es am besten“-Führung von gestern ist die Digitalisierung kaum zu wuppen. Wer behauptet, er kann heute überhaupt noch ansatzweise alles überschauen, der hat vielleicht einen festen Glauben an sich, aber ein viel zu kleines Blickfeld und letztlich keine Ahnung, was um ihn herum passiert.

Heute wollen Mitarbeiter mitbestimmen und gestalten. Und wenn sie den Raum dafür nicht kriegen, dann wechseln sie. Gerade die Besten und die Jüngeren tun das. Sie verlassen dann ihre Führungskraft, nicht das Unternehmen. Mit Führungskräften, die Flaschenhälsen gleich, nur wenig durchlassen, lassen sich ambitionierte Ziele nicht mehr erreichen. Heute brauchen wir weniger Ellenbogen und mehr kommunikative Fähigkeiten in den Führungsetagen.

Also an Dich, die Du Dich heute vielleicht nicht traust, es aber eigentlich tun müsstest: Du kannst es auch als Deine soziale Verpflichtung sehen, Dich für einen Führungsjob stark zu machen. Sonst macht es ein anderer, wahrscheinlich ein Mann. Und die Frage ist, ob der es besser macht.

Erst zaudern und hinterher ärgern, dass Du Dich für den Führungsjob nicht beworben hast, bringt Dir jedenfalls gar nichts.

Eine befreundete Ärztin, die in der Palliativmedizin tätig ist, hat mir erzählt: Wenn sie mit alten Menschen zum Ende ihres Lebens spricht, bereuen sie fast nie, was sie getan haben. Sie bereuen, was sie NICHT getan haben.

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