Machtverlust ein verstecktes Phänomen

Im gestrigen Artikel unserer Serie „Entmachtete Führung – und die Kompensation des Kontrollverlusts“ haben wir behandelt, wie es zur Entmachtung von Führungskräften gekommen ist.
Heute in Teil 4 klären wir, warum die Ursache „Machtverlust“ für viele Probleme in Unternehmen so lange unentdeckt blieb.

Machtverlust – ein verstecktes Phänomen

Entscheidungen der oberen Hierarchieebenen in Frage zu stellen, haben viele Führungskräfte in tradierten Unternehmen nicht gelernt. Zumeist haben sie die ersten Jahre in einer Unternehmenskultur verbracht, die keine Schwäche zuließ und eine hohe Loyalität forderte. In einigen Unternehmen ist es heute noch so. Kontrollverlust durch Machtentzug, wird als Schwäche interpretiert. Damit nicht umgehen zu können, umso mehr. Wer als schwach wahrgenommen wird, wird nicht mehr ernst genommen, muss vielleicht sogar um seine Position und damit den Rest von Macht fürchten.

Die negativen Gefühle also offen zu zeigen oder gar zu benennen (sofern sie von der Führungskraft selbst überhaupt identifiziert werden können), hat in einer tradierten Unternehmenskultur also meist negative Folgen. Deshalb werden die mit Machtverlust einhergehenden Kränkungen überspielt und verheimlicht.

Die Gefühle, wie Verzweiflung, Wut oder Frustration verschwinden aber nicht einfach. Sie stauen sich an und entladen sich an anderer Stelle. Es entstehen dadurch „Nebenkriegsschauplätze“ zum eigentlichen Problem, im Unternehmen ebenso wie im privaten Bereich der Führungskraft. Kaum eine:r kann berufliche Probleme komplett im Büro lassen: Ebenso können ja die wenigstens Menschen Probleme aus dem privaten Bereich in ihrer Wohnung einschließen. Privat und Beruf verschmelzen miteinander. In der virtuellen Zusammenarbeit aus dem Homeoffice mehr denn je.

Die durch Machtverlust entstehenden negativen Gefühle verursachen Symptome bei den betroffenen Führungskräften, die für viele Probleme in Unternehmen verantwortlich sind, auf die wir in einem der nächsten Teile eingehen werden, wie

  • Bürokratie als Kontrollzweck,
  • fehlende Selbstverantwortung bei Mitarbeitenden, weil die Führungskraft eigentlich nicht abgeben will,
  • dem fehlenden Blick über den Abteilungs- „Tellerrand“,
  • die Suche nach dem Schuldigen, statt nach dem Fehler,
  • Aufschieben von Entscheidungen,
  • uvm.

Diese Symptome wurden bisher nicht mit dem Machtverlust von Führungskräften in Verbindung gebracht. Viele davon kennen wir aus unserer Praxis als Organisationsentwickler:innen.

Dass das Bewusstsein für die Folgen von Machtverlust bei Führungskräften ein entscheidender Schlüssel ist, haben wir in vielen Beratungen mit unterschiedlichen Kunden herausgearbeitet.

Wie COVID zur Entmachtung von Führungskräften beigetragen hat, beleuchten wir in Teil 5 unserer Serie. Wir freuen uns, wenn Du morgen wieder dabei bist. Abonniere den Newsletter, wenn Du keine Folge verpassen möchtest.

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